
Väter in Karenz können ihre Kinder viel intensiver erleben.
Statistischen gesehen gehen nur 2% der österreichischen Väter in Karenz. Das waren im letzten Jahr 2516 Männer gegenüber 135.287 Frauen! Das Stadt-Land-Gefälle fällt dabei auf: Während in Wien 4,1% der karenzierten Väter waren, waren es in Vorarlberg lediglich 1,2%.
Karriereknick, finanzielle Einbußen und Unverständnis des Arbeitgebers sind dabei die häufigsten Gründe, warum die Männerkarenz in Österreich noch immer eine Seltenheit ist. Dabei stehen die Männer mittlerweile unter Druck: Viele Frauen erwarten, dass sie in Karenz gehen, an ihrem Arbeitsplatz gelten sie dann aber als Softie oder uninteressiert an der Karriere.
Andererseits ist das Bild vom ungeschickten Vater, der bei der Kinderpflege und im Haushalt alles falsch macht und nicht verlässlich ist, ein guter Grund für Frauen, sich ihre Kompetenz in diesen Dingen nicht nehmen zu lassen. Verstehen Sie uns nicht falsch: eine Arbeitsteilung hat sich in Familien bestens bewährt, es ist aber die Ausschließlichkeit, die diese Teilung zum Problem werden läßt. Und für die Kinder ist es wichtig, beide Eltern im Alltag zu erleben. Ein bloßer Gute-Nacht-Papa ist vielleicht noch weiter weg, als der nette & witzige Nachbar, den die Kinder öfter sehen und erleben.
Wenn es Ihnen denn möglich ist, nehmen Sie sich zumindest etwas Zeit für Ihre Kidner und Familie. Es ist dies eine unwiderbringliche Zeit, in der Ihnen viel an wunderbaren Erlebnissen geschenkt wird.
"Es war die größte Herausforderung meines Lebens. Ich konnte mir nicht recht vorstellen, wie das so werden wird. Ich und meine Tochter den ganzen Tag alleine. Es war ein Sprung ins kalte Wasser, den ich keine Sekunde bereut habe. Ich habe Ruhe und Gelassenheit in diesem halben Jahr gelernt, wie es mir kein Seminar hätte bieten können. Ganz zu schweigen von der Beziehung zu meinem Kind, das sich in dieser Zeit gefestigt hat. Das schönste ist, dass meine Tochter seit unserer gemeinsamen Karenzzeit, wenn sie nachts aufwacht genauso oft "Papa" wie "Mama" ruft", berichtet Johannes.
Männer profitieren immens durch diese Zeit mit ihrem Kind. Was ein Mensch tut, wie er handelt und reagiert, hängt von vielen Faktoren ab. Darunter sind viele Eigenschaften, die mit der Persönlichkeit verwoben sind: Intelligenz, Charakter, Willensstärke, Lebensgeschichte. Daneben gibt es Fähigkeiten, die lernbar sind: Teamfähigkeit, Optimismus, soziale Verantwortung, Motivation. Im Berufsleben spricht man von "soft skills", von "weichen" Eigenschaften, die neben der beruflichen Qualifikation entscheidend sind.
Diese sogenannten soft skills erwerben Väter durch ihre Karenz. Sie gewinnen eine höhere Lebensqualität, weil der Konkurrenzdruck einer männlich dominierten Arbeitswelt gemildert. wird. Die Gesundheit verbessert sich ebenfalls ? Männer, die in ihrer Familie fest verankert sind, sind weniger krankheitsanfällig.
Welche Auswirkungen hat ein präsenter Vater auf seine Kinder?
Hannelore, 23 Jahre, hat 2 Geschwister und einen Vater, der vor 18 Jahren in Karenz ging: "Das war damals der absolute Wahnsinn. Ein Mann, der bei 3 kleinen Kindern ist und eine Frau, die 50 Stunden arbeiten geht. Ich merkte recht schnell, dass es bei uns anders läuft als bei den Nachbarn.
Ich würde rückblickend sagen, dass diese Zeit mit meinem Vater sehr, sehr kostbar war. Ich habe ihn als Vertrauten für mein ganzes Leben gewonnen. Ich kann behaupten, dass mir Mama und Papa gleich wichtig sind ? wer aus meiner Generation kann das schon? Mir ist Gleichberechtigung vorgelebt worden und ich habe dadurch erfahren, welche Beziehungsform für mich die einzig lebbare ist. Eine Beziehung, in der Hausarbeit und Zeit mit den Kindern partnerschaftlich geteilt wird. So stehen die Chance für persönliches Glück am besten, finde ich!?
Persönliches Glück, ein Ziel, das wir alle streben. Väterkarenz ist auf diesem Weg sicher ein Riesenschritt.