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Doppeltes Glück, doppeltes Leid - alles ind er halben Zeit.

Zweifach.

Sollten Sie eines der Paare sein, die mit doppeltem Kindersegen bedacht wurden, werden Sie sich sicher noch gut daran erinnern, was Sie fühlten als Sie die glückliche Nachricht erhielten. Die Gefühle der meisten Eltern sind gemischt. Zum einen ist da die Sorge, ob sie das Leben mit Zwillingen kräftemäßig und finanziell durchstehen. Zum anderen ist es auch ungewöhnlich und faszinierend, zwei Kinder zugleich zu bekommen und aufwachsen zu sehen. Die Mühen, die andere Eltern nacheinander erleben, haben Zwillingseltern sozusagen in einem Aufwasch.

Die Entstehung von Zwillingen.

Eineiige Zwillinge entstehen, weil sich die schon befruchtete Eizelle teilt und aus jeder Hälfte ein eigener Mensch wird. Deshalb haben eineiige Zwillinge auch das gleiche Erbgut und können immer nur vom gleichen Geschlecht sein. Zweieiige Zwillinge sind im Grunde Geschwister wie unterschiedlich alte Kinder auch, denn sie haben jedes eine eigene Eizelle, die beide zur gleichen Zeit reiften. Daher können sie auch verschiedenen Geschlechts sein. Da Frauen über mehrere Tage fruchtbar sind, kann die Zeugung auch zu unterschiedlicher Zeit, jedoch in einem Zyklus erfolgen. Theoretisch müsste bei allen Frauen die gleiche Chance darauf bestehen. Tatsächlich aber scheint die ethische Zugehörigkeit und das Alter (?ältere? Mütter bekommen häufiger Zwillinge) Einfluss zu haben. Auch das Hormon Gonadotron ist von Bedeutung: es wird in der Hypophyse produziert und stimuliert u. a. die Reifung der Eier und ihrer Weitergabe in die Eileiter.

Das Umfeld.

Trotz Wissenschaft und steigender Zwillingsrate, sind Zwillinge immer noch faszinierend. Für die meisten Menschen scheint es schwierig, zur jeweiligen Individualität der einzelnen Kinder durchzudringen, ganz besonders bei eineiigen Zwillingen. Zum einen liegt es daran, dass sich Zwillinge durch die permanente Nähe besonders eng einander anschließen, zum anderen gibt aber auch die fehlende Unterschiedlichkeit keine optischen Anhaltspunkte für eine äußere Kristallisierung der Verschiedenheiten. Bei einem Viertel der eineiigen Zwillinge kommt Außenstehenden jedoch eine Spiegelbildlichkeit zu Hilfe. Dabei gleicht der eine dem Spiegelbild des anderen, d. h. die gleichen Merkmale (z. B. bei Haarwirbeln) kommen seitenverkehrt vor. Was äußerlich schwer zu unterscheiden ist, lässt sich mitunter eindeutiger im Charakter ablesen. So können sich Zwillinge trotz äußerer Identität verschieden entwickeln, wenn auch viele Neigungen und Vorlieben gleich sind.

Die Entwicklung.

Bei Zwillingen ist es prinzipiell sehr wichtig, sich der Kinder einzeln anzunehmen. Die Tatsache, dass sich Zwillinge in fast jeder Situation und das von Anfang an, die Eltern und deren Zuneigung teilen müssen, lässt sie in vielen Situationen mit einem Gefühl des noch nicht Genughabens zurück. Das ist mit ein Grund, warum sie einen stärkeren Bezug zueinander haben: was ihnen bei anderen fehlt, geben sie sich selbst. Aus der geschwisterlichen Verbundenheit kann aber auch eine Stresssituation in der Entwicklung entstehen, da eines dem anderen in nichts nachstehen will. Um Zwillingen eine Chance auf eine gleichberechtigte Entwicklung zu geben, wird deshalb empfohlen, die Unterschiedlichkeit der Kinder zu betonen. Das bedeutet, sich als Eltern öfter nur einem Kind zu widmen, die beiden in unterschiedliche Kindergärten und Schulen zu geben, und ihnen unterschiedliche Hobbies zu ermöglichen. Bestehen Sie aber vor allem bei allen anderen darauf, dass die Kinder nicht als ?die Zwillinge? gerufen und behandelt werden, sondern jedes für sich.
Zwillingseltern sind mit Freunden und jeder Art von Hilfe sehr gut beraten, aber auch für die Kinder sind eine weitere und eigene Bezugsperson sehr wichtig.
Auch versteht sich vermutlich ein unterschiedliches Gewand fast von selbst. Gleiche Kleidung mag zwar süß wirken, fördert jedoch die Schwierigkeit, die Kinder als unterschiedliche Wesen zu sehen. Was für das Gewand gilt, ist auch bei der Namensgebung angebracht. Namen wie Andrea und Andreas tragen sicher nicht dazu bei, die Kinder als Individuen zu sehen.

Zwillinge als Babys und Kleinkinder.

Zwillinge erkennen erst später als andere Kinder das eigene Ich und lernen oft auch später sprechen. Sie begnügen sich mit einer Art "Geheimsprache" untereinander und sind weniger darauf angewiesen, sich mit der Außenwelt zu verständigen. Das hat aber keinerlei Auswirkung auf ihre weitere Entwicklung. Das gleiche lässt sich über ihre körperliche Entwicklung sagen. Neugeborene Zwillinge sind meist kleiner, wiegen bei der Geburt im Durchschnitt nur 2,5 kg. Es kommt auch vor, dass die Kinder unterschiedlich schwer sind ? bei eineiigen häufiger als bei zweieiigen. Eineiige Zwillinge gleichen diese Unterschiedlichkeiten aber beizeiten aus und haben fast alles gemeinsam: die Entwicklungsschübe und ?pausen. Zweieiige Zwillinge können sich dagegen ganz unterschiedlich und auch gegenteilig entwickeln.

Als Kleinkind ist es für Zwillinge wichtig, seine eigene Persönlichkeit zu entdecken. Es muss lernen, was es mag und was nicht. Wenn das nicht gelingt, wird es später einen massiven Mangel an Selbstbewusstsein haben und sich im Leben schwer tun, weil es keine eigene Individualität hat und sich nur als Teil eines Paares erlebt.

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