
Trösten Sie sich, sie geht Gott sei Dank vorbei!
Ab dem Moment, in dem Ihr Kind sicher, alleine und frei gehen kann, befindet es sich in einer unbeschreiblichen Hochstimmung. Die Erfahrung der eigenen Autonomie führt dazu, dass es beseelt ist von dem Wunsch seine Umwelt zu erobern. Mit dem Eintritt in diese Autonomie ist aber auch erhebliches Konfliktpotential zwischen Kind und Eltern verbunden. Durch das Aussprechen des ersten ?Nein? und in der Folge noch viele mehr, fühlt sich das Kind in seinem Hochgefühl der neuen, gewonnenen Autonomie beschränkt. Es erfährt, dass es keineswegs so unbegrenzt und selbst bestimmt ist, wie es sich fühlt. Dennoch zeugt es von einer gesunden, psychischen Reaktion, wenn sich das Kind gegen das Regelwerk der Eltern auflehnt und seine Bedürfnisse durchzusetzen versucht.
Jedes Kind braucht vom zweiten bis zum vierten Lebensjahr viele Möglichkeiten zum Ausprobieren und Erfahrungen sammeln, damit es ein Grundgefühl der Selbstbestimmtheit entwickeln kann. Diese Erfahrungen sind prägend für die zukünftige Wesensentwicklung Ihres Kindes. Für die Selbstsicherheit im späteren Leben als Schulkind, Jugendlicher und Erwachsener hat dies große Bedeutung. Regeln sind notwendig und ziehen klare Grenzen, dennoch ist es wichtig darauf zu achten, das Kind nicht zu sehr einzuschränken. Dies hätte zur Folge, dass es entweder ständig versucht Grenzen auszuloten, oder es könnte sogar so weit gehen, dass es sich unsicher und resignierend unterwirft.
Kommunikation ist der Schlüssel. Verbote die notwendig sind, zum Schutz des Kindes sollen auch erklärt werden, auch wenn es diese nicht gänzlich verstehen kann. Nur so kann es lernen, dass Eltern auch Bedürfnisse haben und es erkennt, dass sie es lieben, wenn auch Grenzen gesetzt werden.
Trotz verständnisvollem Umgang sind Trotzreaktionen unvermeidlich. Die Intensität ist schlussendlich vom Temperament des Kindes abhängig, seiner Ausgeglichenheit und der Art, wie die Eltern mit der Situation umgehen.
Das Spektrum reicht vom protestierenden Raunzen bis zum zornigen Affektanfall, in dessen Rahmen es sogar zum Aussetzen der Atmung kommen kann. Je besser es den Eltern dabei gelingt ruhig zu bleiben, desto eher wirken sie ausgleichend auf ihren gefühlsüberfluteten Knirps.
Je nach Persönlichkeit spricht das Kind rascher auf Reden, Trösten, Streicheln, Abreagieren-Lassen oder Ablenken an. Manche Kleinen beruhigt Körperkontakt, andere brauchen Distanz. Auch wenn das Kind besser alleine zur Ruhe kommt, soll es dabei nie ganz aus den Augen gelassen werden. Sie als Erwachsener sind in der Position den Machtkampf, während einer Trotzphase zu beenden. Ihrem Kind ist das nicht möglich, weil es zu sehr in seine Gefühle verstrickt ist. Das vorübergehende Gefühl der Ohnmacht gegenüber kindlicher Wutausbrüchen ist verständlich, dennoch haben Sie als Erwachsener dem Kind viel Reife, Wissen und Lebenserfahrung voraus. Grundsätzlich gilt, so schwierig es auch sein mag, kühlen Kopf zu bewahren, um nicht selbst in den hochgehenden Wogen der Emotion unterzugehen.
Ablenkung hat sich als probates Mittel erwiesen, das Kind aus seinem Trotzanfall herauszuholen. Hilfreich ist es auch Worte für die Gefühlsausbrüche Ihres Kindes zu finden, denn das erleichtert das Sprechen darüber, wenn sich Ihr Liebling wieder beruhigt hat.
Trotzverhalten ist ein Bestandteil der frühen Kindheit. Sie tritt auf, wenn Kinder nach Selbstbestimmtheit streben und auf Grenzen stoßen. Wird das Kind in seinen Gefühlstiefen verständnisvoll geleitet und nicht bestraft oder beschämt, kann es seinen Trotz bis zum Ende es 4. Lebensjahres langsam aufgeben. Es ist nicht immer leicht dem Trotzen entgegen zu wirken, dennoch sei darauf hingewiesen, dass es zum Großwerden dazugehört und Sie als Erwachsene oft an Ihre Grenze der Toleranz bringen kann. Ist Ihnen das schon vor akuten Anfällen klar, kann diese schwierige Zeit besser verstanden und auch zusammen überlebt werden.