
eine schwierige Liebe für's Leben
Die Geburt des zweiten Kindes stellt jedes Erstgeborene vor eine Situation, die es nicht kennt. Dabei kommt es von Fall zu Fall zu ganz unterschiedlichen Reaktionen: Manche Kinder kommen offen-sichtlich gut mit der neuen Situation zurecht, für andere dagegen bricht eine Welt zusammen, was sie ihre Eltern spüren lassen.
Drei wichtige Faktoren bestimmen vor allem, wie ihr Kind reagiert:
* Alter und Entwicklungsstand
* Temperament, Geschlecht des Kindes
* Stabilität des Vertrauensverhältnisses
Um zwischen dem Neuankömmling und dem ersten Kind eine geschwisterliche Beziehung aufbauen zu können, brauchen Sie viel Liebe und Geduld, aber auch gute Nerven und Verständnis für den Gefühlszustand des Kindes.
Da es bisher als Einzelkind aufwuchs und Ihre Zuwendung mit niemandem teilen musste, war Liebe etwas, das nur ihm galt. Nun sieht Ihr Kind, wie Sie sich um das Baby kümmern und leidet unter der Angst, die Liebe der Eltern zu verlieren.
Ihr Kind macht nun Tag für Tag die unangenehme Erfahrung, dass es nicht mehr die alleinige Hauptperson ist. Die Mutter "gehört" nicht mehr nur dem ersten Kind. Es erlebt sie daher oft als "untreue" Person.
Je jünger oder unselbstständiger ein Kind ist, desto mehr ist es an Sie gebunden. Es kann der neuen Situation nicht ausweichen und fühlt sich ihr ohnmächtig ausgeliefert. Erklärungen, Vertrösten oder Appelle an die Vernunft helfen nicht weiter. Das Kind kann seine Gefühle noch nicht in Worten ausdrücken und ist daher gezwungen, seinem Inneren anders Luft zu machen.
kann sich entweder in Form von Aggression oder Regression zeigen. Meistens jedoch kommt eine Mischform vor. Am offensichtlichsten und am leichtesten für die Eltern zu erkennen, ist die Eifersucht des Kindes, die sich in handgreiflichen Aggressionen gegenüber dem neuen Rivalen äußert. Aber auch den Eltern gegenüber verhalten sich die Kinder sehr häufig aggressiv. In erster Linie wenden sich die Attacken dabei gegen die Mutter. Der zweite Typ von Eifersuchtreaktion zeigt sich in so genannter Regression. Hierbei wendet sich das Kind mit seinem Konflikt verstärkt nach innen und es kommt zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Hemmung oder einem Rückschritt in der Entwicklung (Einnässen, Krankheit, Griff zur Nuckelflasche, Schlafstörungen).
Tipps, um die Eifersucht möglichst gering zu halten
Vorbereitung und Aufklärung, dass ein Geschwisterchen erwartet wird: machen Sie es beim Einkaufen oder auf Spielplätzen auf andere Mütter aufmerksam, deren Bauch schon deutlich sichtbar ist und schauen Sie sich kleine Säuglinge gemeinsam an. Wenn Sie Freunde mit Baby haben, können Sie Ihr Kind das Baby vielleicht auf den Schoß nehmen lassen. Aber Vorsicht: übertreiben Sie die Vorbereitungsphase nicht, da sonst das Kind die Situation überbewerten könnte.
Lassen Sie Ihr Kind an den Umbauaktionen für das erwartete Baby teilnehmen (Wiege und Wickeltisch aufstellen, Babywäsche einsortieren, ?), bei älteren Kindern (ab 3 Jahre) kann das gemeinsame Anschauen bzw. Vorlesen entsprechender Kinderbücher hilfreich sein, die sich mit der Ankunft eines neuen Geschwisterchens auseinandersetzen.
Der Vater muss einspringen, wenn die Geburt naht und das Kind in der Zeit der Trennung intensiv betreuen. Ein baldiges Wiedersehen mit der Mutter und erste Kontakte mit dem Baby sind aber unbedingt notwendig. Versuchen Sie, die Trennung möglichst kurz zu halten. Das Erstgeborene soll Mutter und den Neuankömmling so früh wie möglich sehen. Bedenken Sie, dass sich Ihr "Großes" in erster Linie auf Sie als Mutter und nicht auf das Geschwisterchen freut. Das ist vor allem bei kleinen Kindern (noch unter zweieinhalb Jahren) der Fall.
Im Alltag wird im ersten Trubel das ältere Kind nur so "nebenbei mitlaufen". Nehmen Sie tagsüber Ihr Kind öfter einmal in den Arm und suchen Sie sich eine ruhige halbe Stunde, in dem Sie ihm ungestört etwas vorlesen können oder sein Lieblingsspiel mit ihm spielen. Versuchen Sie, Ihrem Kind das Gefühl zu geben, dass es wenigstens in diesem Augenblick die Nummer Eins ist und uneingeschränkte Aufmerksamkeit genießt.
Zum Trost
Die mehr oder weniger heftige erste Eifersuchtskrise ist - wie alle Entwicklungsprozesse im Leben - eine vorübergehende Phase. Je länger Ihr Kind sich in der neuen Familiensituation bewegt, desto eher kann es auch den Neuankömmling akzeptieren.