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Ein großer Schritt für ein Menschlein

Wenn Ihr Kind mit Ende des 1. Lebensjahres zu gehen beginnt, hat es bereits einen großen Fortschritt in Richtung Selbstständigkeit gemacht. Manche Kinder setzen die ersten Schritte mit 11 Monaten, andere wiederum beginnen mit 16 Monaten. In den nächsten Monaten und Jahren verbessern und verfeinern sich vor allem die Bewegungsmöglichkeiten (Feinmotorik, Handmotorik).

Sprachentwicklung

Mit 18 Monaten hat sich der Wortschatz auf 30-50 Wörter erweitert. Ihr Kind bezeichnet hauptsächlich Gegenstände und Personen, manchmal aber auch Eigenschaften im Gegensatz (groß ? klein). Jetzt beginnt es, im Telegrammstil zu sprechen ("Ball haben!", "Tee trinken!"). Die Themen seiner Sprache sind häufig der Besitz, der Platz, wo sich Dinge befinden ("Ball dort") und die Wiederholung von Ereignissen ("noch Milch"). Es beschreibt Personen und Gegenstände ("dieser Bub") und spricht vom Fehlen einer Sache oder Person ("kein Pudding mehr"). Schon jetzt beginnt es damit die Grammatik der Muttersprache zu lernen.

Sauberkeitsentwicklung

Im 2. Lebensjahr entwickeln Kinder eine große Neugier und den Wunsch, die Eltern oder Geschwister zu imitieren. Kinder wollen zunächst einmal wissen, was die Erwachsenen auf der Toilette machen, dabei zusehen und dies auch versuchen. In diesem Alter kann es schon sinnvoll sein, Ihr Kind an den Topf oder die Toilette zu gewöhnen. Bei regelmäßigem Stuhlgang und gewisser Alltagsroutine (Toilettengang vor dem Außer-Haus-Gehen) stellen sich deutliche Erfolge über längere Zeiträume ein. Dazwischen wird es wohl immer auch Phasen der Verweigerung und von Misserfolgen geben.

Motorik und Koordination

Während Kinder im 1. Lebensjahr noch auf Zehenspitzen und nach innen gehen, beginnen sie im 2. Jahr ihren Bewegungsablauf beim Gehen und Laufen zu verbessern. Es kommt zum Auftreten über den Zehenballen und schließlich bis zur ganzen Fußsohle. Die Schrittlänge nimmt zu. Mit 18 bis 24 Monaten zeigen Kinder ein ausgeprägtes symmetrisches, rhythmisches Gangmuster mit nur mehr wenig Gleichgewichtsausgleich durch die Arme. Im 2. Lebensjahr werden noch beide Hände gleichartig verwendet, wobei die ausholende Armbewegungen noch überwiegen. Ihr Kind nimmt Gegenstände auseinander und fügt sie wieder zusammen, es zeigt gute Handgeschicklichkeit und zunehmend verfeinerte Fingergeschicklichkeit.

Am Ende des 2. Jahres können Kinder in gebückter Stellung Dinge aufheben. Es kommt zu einer verbesserten Abstimmung der Funktion von Auge und Hand. Jetzt kann und will z.B. beim An- und Ausziehen helfen, was ihm auch teilweise gelingt.

Sozialverhalten

Im 2. Lebensjahr freut sich Ihr Kind nicht nur über Zuwendung, sondern teilt sie auch aus. Zwar überwiegen die positiven Gefühle, aber auch unangenehme, mit denen es zurecht kommen muss, werden nicht ausbleiben. Verbote dienen dem Schutz vor Gefahren, aber Ihr Kind kann die Tragweite nicht verstehen. Frustrationen sind dabei unvermeidlich. Ihr Kind genießt aber auch die Zuwendung und Anerkennung, die es für verschiedene Tätigkeiten erhält. Während es im 1. Lebensjahr meist nur aus Wut oder Angst schreit, kann es dies ab dem 2. Jahr auch gezielt einsetzen. Um seine Wünsche durchzusetzen, weigert es sich: es setzt körperlichen Widerstand entgegen. Häufig versucht es, die Aufmerksamkeit der Eltern zu erregen, reagiert eifersüchtig. Ängste treten oft durch das Erkennen von Gefahren auf, vor denen es sich nicht schützen kann (z.B. vor einem dunklen Zimmer). Durch diese Spannungszustände erlebt es starke Gefühlsausbrüche, lässt sich aber auch leicht ablenken. Wenn Kinder in diesem Alter versuchen, ihre Gefühle zu beeinflussen oder zu unterdrücken, entsteht Unruhe, oder es kann z.B. anfangen, an den Daumen zu lutschen.Das Zusammensein mit anderen Kindern macht Ihrem Kind im 2. Jahr Freude. Es nimmt die anderen wahr, sitzt gern daneben und wechselt Blicke.

Denken

Im 2. Jahr ist das Neugierverhalten auf Erleben und Sensationen ausgerichtet. Es kann sich aber den Dingen gegenüber nicht verantwortlich fühlen, es kennt deren Eigengesetzlichkeiten noch nicht. Es zerlegt das Spielzeug, weil es dies erforschen möchte, ist dann aber enttäuscht, weil es kaputt ist. Es erweitert seinen Raum vom "Raum der Reichweite" (soweit es mit dem Arm oder Bein etwas erreichen kann) allmählich zum Fernraum (soweit es sehen kann). Durch die Erweiterung der Bewegungsmöglichkeiten beginnt es Zeit zu erfassen (nach 4 Schritten bin ich dort: ergibt den Begriff von jetzt-hier und dann-dort). Es hat auch so viel Wissen über die Dinge, dass es auf die unmittelbare Zukunft schließen kann. Es kann sich auch an Ereignisse erinnern, die am Vortag passiert sind. Die Erinnerung an das, was vorher noch da war, lässt eine Vorstellung davon entstehen. Das Kind kann dies beim neuerlichen Anschauen wieder erkennen.

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