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Von Hänseleien, Drohungen und Gewalt zwischen Kindern

alle Tage wieder

Francisca brüllt, Sophie keift, Carls schleudert Duplomännchen durch die Gegend.
Zum 3. Mal in den letzten 10 Minuten ist der Streit zwischen den Kindern ausgebrochen. Den ganzen Nachmittag geht das schon so. Ich habe erklärt, ich habe getröstet, ich habe vermittelt. Sopie zetert:"Mami, Carl lässt uns nie in Ruhe spielen. Immer muß er der Bestimemr sein. Mami, so tu doch endlich was!2 "Das stimmt gar nicht,  ich überlasse den Mädchen die tollsten Figuren, die ich eigentlich geschenkt bekommen habe und sie lassen mich trotzdem nicht mitspielen!" Erwidert Carl und zeiht Sophie noch schnell an den Haaren, bevor er sich hinter dem Sofa in Sicherheit bringt. Beide haben irgendwie Recht.

Was soll ich tun?

Den Mädchen zum 25ten Mal heute bitten, Carl nicht auszuschließen? Oder Carl zum 30ten Mal verbieten, ebenfalls mit Duplo zu spielen? Nein! Mir reißt der Geduldsfaden: "Jeder von Euch hat Schuld an der Streiterei. Da Ihr nicht friedlich miteinander spielen könnt, wird jetzt aufgeräumt. Sofort, sonst gibt es heute kein Fernsehmärchen!"
Das wirkt! Ist es meine Wut oder meine Drohung? Die Kinder sind auf einmal lammfromm, alle sind sich wie durch ein Wunder einig:"Mami, nur noch 5 Minuten, wir zanken uns bestimmt nicht mehr!! Bitte, bitte!!"
Sophie umarmt und küsst mich, Francisca hört auf zu schniefen und sammelt ein paar Duploteile ein. Carl nutzt die Gunst der Stunde: "Schau, Francisca, ich baue einen Stall für Dein Pferd." Also gebe ich nach und beginne zum 4. Mal meine Wäsche aufzuhängen.
Mir ist wohler zumute, aber dem Frieden traue ich dennoch nicht. Aber, oh Wunder, ich kann nicht nur meine Wäsche in Ruhe aufhängen, sondern auch noch das Nachtmahl herrichten.
Später setze ich mich zu den Kindern, sie spielen herrlich miteinander. Später geht?s ans Aufräumen. Zunächst wird ignoriert, später diskutiert. "Warum denn jetzt schon?" 2Das Meiste haben die anderen gemacht, ich habe nur mit dem hier gespielt. Mehr räume ich nicht auf." Eigentlich sollte ich stolz sein, mit welcher Beredsamkeit und Phantasie sie sich herauszureden versuchen. Aber mir fehlt im Moment der nötige Abstand: "Ich zähle jetzt bis 3. Wenn Ihr dann nicht aufräumt, bleibt keine Zeit für?s Abendmärchen." Jetzt war es sicher meine Entschlossenheit, die wirkt. Carl schnappt sich etwas, das ins andere Zimmer gehört und verschwindet auf Nimmer-Wiedersehen, Francisca muß ganz dringend auf?s Klo. Als Sophie erkennt, dass sie allein bleibt, zieht sie sich beleidigt in die Sofaecke zurück: "Ich räume doch nicht alleine auf." Also muß ich doch noch bis 3 zählen, weise die Kinder entschieden an, wer was tun soll und lasse keinen mehr aus den Augen, bis alles aufgeräumt ist.

Es ist immer das Gleiche: Wieder einmal heißt es, sich mit guter Laune und Deutlichkeit, mit Belohnungen und Drohungen durchzusetzen, ganz egal ob man ein, drei oder fünf Kinder hat. Es hängt von der Konsequenz und Laune aller ab, ob sie mehr oder weniger friedlich bewältigt werden:

1.) Um viele Klippen kommt man auch mit Humor und Abwechslung.
2.) Strafen und Drohungen sollten gut überlegt sein; Kinder merken, wenn Sie nicht ernst gemeint sind. Drohen Sie nicht mit eigentlich positiven Dingen.
3.) Die "Ich zähle jetzt bis 3"-Methode bewährt sich oft. Sie gibt den Kindern Zeit nachzugeben, sich zu besinnen. Außer sie stecken mitten in einem Wutanfall.
4.) Auch Belohnungen sollten gut überlegt sein, weil sie etwas besonders sind. Es muß nicht immer etwas Süßes sein, z.B. ein Buch vorzulesen, gemeinsam spielen, wachbleiben, bis der Papa kommt?
5.) Außerdem: Muß man sich immer bei Kindern durchsetzen? Welche Regeln dürfen gebrochen werden, welche nicht? Geben Sie Ihren Kindern auch einen Spielraum, in welchem sie sich in der Auseinandersetzung einbringen können.
6.) Regelmäßigkeiten erleichtern den Umgang auch mit schwierigen Kindern, weil sie keine Erklärungen bedürfen. Sie gelten als ungeschriebenes Gesetz.

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