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Was es bewirkt und warum es kein Drill ist

Unterschiedlich.

Die elterliche Erziehungshaltungen und Erwartungen bezüglich des Benehmens sind meist sehr unterschiedlich. Was für eine Familie wichtig ist, ist für andere nebensächlich. Dafür gibt es kein Rezept. Welche Benimmregeln für eine Familie gelten, hängt von der Vorstellung der Eltern ab, der Art und Weise, wie sie vermittelt und eingefordert werden, und der Bereitschaft der Kinder, diesen nachzukommen. Die Entwicklung von Manieren ist daher ein komplexer Prozess.

Menschlich.

Manieren sind nicht naturgegeben, nicht universell gültig, sondern von Menschen für ihr Zusammenleben geschaffen. Je nachdem, in welcher Kultur, Gesellschaftsschicht und Epoche ein Kind aufwächst, gelten andere Richtlinien. Diese weichen in manchen Bereichen bereits innerhalb eines Kulturkreises beträchtlich voneinander ab. Zwischen verschiedenen Kulturen gibt es noch viel größere Unterschiede. Für Kinder ist es daher bereichernd, sich mit unterschiedlichen Kulturen auseinanderzusetzen. Gibt es in einer Kindergartengruppe oder Schulklasse Kinder, deren Eltern aus einem anderen Kulturkreis kommen, sind ein gegenseitiges Kennenlernen und die Auseinandersetzung mit Verschiedenheiten im Verhalten Basis für Toleranz und Offenheit.

Gemeinschaftlich.

Benimmregeln stellen einen Rahmen für die Beziehung der Menschen miteinander und für ihr Verhalten in der Gesellschaft, in der sie leben, dar. Sie dienen der gegenseitigen Rücksichtnahme und drücken Wertschätzung aus. Dies ist aber nur der Fall, wenn sie einem inneren Bedürfnis entspringen und nicht von außen aufgezwungen sind. Jedes Kind übernimmt sie von seiner Familie und von allen Gemeinschaften, in denen es sich auf dem Weg zum Erwachsen-Werden befindet (Kindergarten, Schule). Anfangs kommen die Verhaltensregeln immer von den Eltern. Wenn sich das Kind mit ihnen identifiziert, werden im Laufe seines Lebens ihre Vorgaben zu seinen inneren Werten. Wenn gutes Benehmen bloß auf Vorschriften ohne innerer Überzeugung beruht, können diese schnell durch andere Vorschriften ersetzt werden. Dies passiert um so leichter, je unsicherer und orientierungsloser ein Mensch ist.

Vorbildlich.

Die ersten Manieren werden dem Kind von seinen Eltern vermittelt. Dabei kann es ihren Anforderungen leichter nachkommen, wenn sich Mutter und Vater darin gleichen oder ähnlich sind. Stark unterschiedliche Erwartungen verwirren das Kind in frühen Jahren. Später kann es bereits verstehen, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Maßstäbe an sein Benehmen anlegen. Es erfährt, dass es strengere und gewährendere Leute gibt. Meist ist dies auch bei seinen Eltern so. Die Kluft sollte aber nicht zu groß sein, da das Kind es bald versteht, sie gegeneinander auszuspielen oder unsicher werden kann. Es ist günstig, wenn sich Eltern in den ersten Lebensjahren ihres Kindes auch mit anderen Bezugspersonen wie Großeltern bezüglich Verhaltensvorgaben abstimmen.

In welchen Bereichen die Eltern gutes Benehmen erwarten und welche ihnen besonders wichtig sind, hängt stak von der Persönlichkeit der Eltern ab. Ihre eigenen Erfahrungen prägen ihre Einstellung dazu. Oft übernehmen sie die Regeln der eigenen Eltern, oft sind sie diesen bewusst entgegengesetzt. Für die Abstimmung der Eltern ist es unerlässlich, darüber nachzudenken und darüber zu sprechen. So werden sie mit den Kindern nach Familienregeln leben können, mit denen sich alle identifizieren können.

Anfänglich.

Was dem Kind an manierlichen Verhalten abverlangt wird, sollte stets mit seinem Entwicklungsalter übereinstimmen. Meist beginnen Eltern intuitiv, die ersten Benimmregeln am Ende des ersten Lebensjahres einzuführen. Wenn das Kind im zweiten Lebensjahr zunehmend mobiler und selbstständiger wird, findet es sich plötzlich mit einer Unmenge an Forderungen und Grenzen, die ihm gesetzt werden müssen, konfrontiert. Der Verzicht steht dem ungebremsten Taten- und Forscherdrang entgegen und löst oft Trotz und Verweigerung aus. Im zweiten und dritten Lebensjahr ist das Kleinkind ganz auf Selbstbestimmung bedacht. Daher verweigert es oftmals das Grüßen, Bitten, Danken oder das gemeinsame Essen. Dadurch wächst in ihm das Gefühl, stark und mächtig zu sein. Für Eltern ist es hilfreich zu wissen, wie schwer es dem Kind in der Trotzphase fällt, sich manierlich zu verhalten. Trotzdem ist es wichtig, auf altersgemäßes Benehmen zu achten. Das Kind sollte aber nicht bestraft werden, wenn ihm dies zeitweise nicht gelingt. Viele Eltern schämen sich, wenn ihr Kind ungezogen ist. Das Kind spürt die Verunsicherung, empfindet sich als mächtig und setzt sein Verhalten gezielt und provokant ein. Eltern brauchen sich für ein tobendes und trotzendes Kleinkind nicht zu schämen. Diese normale Entwicklungsphase geht vorüber, wenn das Kind darin nicht fixiert oder aber überfordert wird.

Verinnerlicht.

Sobald das Kind nach Überwindung des Trotzalters immer stärker mit seinen Eltern zu identifizieren beginnt, wird es sie zum Vorbild nehmen. Daher ist es zielführend, mit dem Kind und miteinander so zu leben, wie Eltern es vom Kind verlangen. Herrscht in der Familie ein wertschätzender Umgang, wird dieser auch von den Kindern übernommen. Ab dem Kindergarten kommt die Übernahme des Vorbilds anderer zu den familiären Umgangsformen dazu. Wenn die Einflüsse von außen stark von der familiären Linie abweichen, ist ein stetes Abstimmen und Auseinandersetzen mit den unterschiedlichen Erfahrungen notwendig. Indem sie mit Ihrem Kind über ihre Vorstellungen und Wünsche sprechen, vermitteln Eltern, dass die Benimmregeln in ihrer Familie von denen anderer verschieden sind. Das Kind wird möglicherweise sein Benehmen anderen gegenüber verteidigen und sich nicht anpassen.

Förderlich.

Wenn das Kind ausgeglichen oder heiter ist, fällt es ihm leicht, sich gut zu benehmen. Ist es aber voll von negativen Gefühlen, fällt ihm manierliches Verhalten schwer. In Mehrkindfamilien muss jedes Kind aushalten, nicht ständig im Mittelpunkt zu stehen. Dies fällt ihm um so schwerer, je jünger es ist. Eine Menge Enttäuschung und Ärger kann sich aufstauen. So können Rücksichtnahme, Teilen, Gewaltfreiheit unter Geschwistern nur gelebt werden, wenn auch Eifersucht, Rivalität oder Wut ihren Platz haben dürfen. Eltern helfen ihrem Kind dabei, indem sie über diese Gefühle mit ihm sprechen und ein gemeinsames Verständnis für seine Situation entwickeln.

Auch für ein Kind, das zu enge Grenzen gesetzt bekommt, und sich dadurch in seinen Selbstständigkeitsbestrebungen eingeschränkt fühlt, ist es schwierig, sich den Wünschen der Eltern entsprechend zu verhalten. Seine Anspannung und sein Protest können in schlechtem Benehmen ein Ventil finden.

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