Wie Familien leben könnten. Ein Konzept für die Zukunft?
studierte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre und ist Mitglied des saarländischen Landesvorstands der Linken in Deutschland sowie fami-lienpolitische Sprecherin der Landespartei. Seit 1993 ist sie mit Oskar Lafontaine verheiratet. 1997 kam ihr gemeinsamer Sohn zur Welt. Als Vor-sitzende der Vereins Intact engagiert sie sich außerdem für die Bekämpfung der Beschneidung weiblicher Genitalien von Mädchen in Afrika.
In ihrem Buch Dein Kind will dich forderte sie ein sozialversicherungs- pflichtiges Erziehungsgehalt während der ersten 3 Lebensjahre des Kindes von E 1.600 im Monat und bis zum 6. Lebensjahr E 1.000 Euro für alle Eltern. Gegenstimmen argumentierten bisher dieses Erziehungsgehalt würde ärmere Familien zur häuslichen Betreuung zwingen, um ihr Einkommen zu verbessern. dadalino bat Christa Müller zum Gespräch.
D: Das Erste, was man sich fragt, wenn man Christa Müller im Internet aufruft und die Medien liest, ist, ob Sie nicht schon müde geworden sind, Interviews zu geben. Weil ein Gespräch mit den Medien meistens das reduziert, was man sagen will, aber wenn Medien etwas lange genug behaupten, gilt es als wahr. Mir fiel auf, dass Ihr Buch eine andere Dimension hat als das, was über die Medien ankommt. Wie geht es Ihnen damit?
Ch.M.: Ich hab schon ziemlich lang Erfahrungen mit Medien und gehe nicht davon aus, dass man seine ganzen Botschaften ungefiltert und unkommen- tiert irgendwie loswerden kann. In dem Moment, in dem Medien mit im Spiel sind, kann man nur teilweise Botschaften setzen. Das versuche ich und auch, in die Interviews, die ich gebe, immer nochmal einen neuen Aspekt hinein zubringen. Das ist sehr schwierig, weil wir meiner Ansicht nach in Deutschland im Moment das Problem haben, dass es eine einseitige Pro-Krippen-Propaganda gibt. Dahinter stehen wirtschaftliche Interessen. Man braucht die Frauen und somit auch die jungen Mütter auf dem Arbeitsmarkt. Das bedeutet, daß die Kinder in Krippeneinrichtungen müssen, damit die Mütter möglichst schnell wieder Vollzeit ins Erwerbsleben eintreten können, also möglichst nach dem Babyjahr. Und dann muss eben für die Krippe geworben werden, damit auch die Eltern, die nicht die Bereitschaft haben, die Kinder da hinzugeben, nicht darauf beharren, die Kinder in den ersten Jahren selbst zu erziehen. Deshalb gibt es diese Propaganda, die vor allen Dingen auch von der Wirtschaft, Unterneh-merverbänden, Arbeitgeberverbänden, massiv unterstützt wird. Ich versuche dagegen anzugehen. Ich bin nicht ganz allein, denn inzwischen gibt es eine ganze Menge Leute, die so ein Erziehungsgehalt gut finden. Mit ihnen zusammen bin ich am Kämpfen, was aber äußerst schwierig ist, weil man die gesamte Wirtschaft, die Medienwelt und fast die gesamte Politik gegen sich hat. Sie sind daran interessiert - aus ökonomischen Gründen, aus Globalisierungserfordernissen - die Frauen in die Erwerbsarbeit zu pushen, und das mit aller Macht.
Das ganze Interview lesen Sie in dadalino 04/08.